Zahnunfall – Was tun?

Zu Hause, in der Freizeit oder beim Sport: Ein Zahnunfall kann jederzeit passieren. Wird er rechtzeitig erkannt und behandelt, können die betroffenen Zähne oft noch erhalten werden. In unserem Beitrag erfahren Sie, worauf Sie achten müssen.


Was ist ein Zahnunfall?

Von einem Zahnunfall ist die Rede, wenn ein Zahn aufgrund eines äußeren Ereignisses, z.B. eines Sturzes oder Schlags

  • abbricht,
  • stark gelockert,
  • verschoben,
  • oder herausgeschlagen wird.

Am häufigsten sind die oberen Schneidezähne betroffen.


Was tun beim Zahnunfall?

Mit einem überlegten Vorgehen können Folgeschäden vermieden oder zumindest reduziert werden. Meist sind die Verletzungen weniger schlimm, als es auf den ersten Blick scheint. Besonders die bleibenden Zähne können vom Zahnarzt oft noch gerettet werden, wenn Betroffene schnell handeln. Ausgeschlagene Zähne kann der Zahnarzt meist wieder in den Kiefer zurückverpflanzen oder abgebrochene Stücke wieder anbringen.

Was sollten Sie direkt nach dem Zahnunfall tun?

Egal, wie der Zahnunfall passiert ist oder wie schlimm die Verletzungen auf den ersten Blick aussehen: Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren. Mit dem richtigen Verhalten können die Schäden eines Zahnunfalls gut behoben werden. Machen Sie sich zunächst ein Bild vom Ausmaß der Verletzungen. Bei starker Blutung sollten Sie die Wunde mit einem Stofftaschentuch oder einem Stück Gaze schützen. Äußerlich können Sie mit Eis kühlen. Je nach Zahnverletzung sind unterschiedliche Vorgehensweisen bis zur Ankunft bei Ihrem Zahnarzt oder einer Zahnklinik ratsam.

Ein oder mehrere Zähe sind locker oder verschoben

Sind ganze Zähne locker oder verschoben, sollten Sie diese in ihrer Position belassen und nicht versuchen, sie zu bewegen. Beißen Sie am besten nur vorsichtig zu, um die verschobenen Zähne nicht noch weiter zu verschieben.

Zähne sind abgebrochen oder ausgeschlagen

Suchen Sie unbedingt ausgeschlagene Zähne oder abgebrochene Zahnstücke. Diese kann Ihr Zahnarzt im besten Fall wieder einfügen. Wichtig hierbei ist, dass Sie nur die Zahnkrone und niemals die Zahnwurzel anfassen. Andernfalls kann die Zahnwurzel noch weiter beschädigt werden. Verzichten Sie auch darauf, den Zahn bei Verschmutzungen zu reinigen.

Zusätzlich sollten Sie die abgebrochenen oder ausgeschlagenen Zähne möglichst schnell feucht lagern. Das geht am besten in einer speziellen Zahnrettungsbox, die in der Apotheke und im Internet erhältlich ist. In dieser befindet sich eine Nährlösung, in der die besonders empfindlichen Zellen der Zahnwurzelhaut bis zu 48 Stunden überleben können. Dadurch bietet die Zahnrettungsbox Ihnen ausreichend Zeit, Ihren Zahnarzt aufzusuchen. Haben Sie keine Zahnrettungsbox zur Hand, können Sie den Zahn auch in kalte H-Milch, eine isotonische Kochsalzlösung oder Frischhaltefolie legen. Diese sind jedoch nur für eine kurze Zeit verwendbar und können möglicherweise die Heilungschancen verschlechtern.

Tipp: Sie sollten ausgeschlagene oder abgebrochene Zähne nicht länger als 60 Minuten trocken lagern. Dann sind sie meist nicht mehr reparabel.

Nach dem Unfall möglichst schnell zum Zahnarzt

Nach einem Zahnunfall sollten Sie möglichst schnell Ihren Zahnarzt aufsuchen. Dieser kann prüfen, wie stark die Beschädigung ist.

  • Bei einem herausgebrochenen Zahn reinigt der Zahnarzt diesen zunächst. Im Anschluss wird meist die Wurzelspitze gekürzt. Danach kann Ihr Zahnarzt den Zahn meist wieder in das Knochenfach einsetzen und durch eine Schienung zusätzlich fixieren. In einem Zeitraum von fünf bis sechs Wochen nach der Behandlung kann der Zahn dann wieder fest anwachsen.
  • Auch lockere Zähne werden mit einer Zahnschiene behandelt. Mit einer Kunststoffmasse und Drähten oder einem Glasfaserband befestigt der Arzt den lockeren Zahn an den festen Nachbarzähnen. Im Regelfall ist der Zahn nach zwei bis drei Wochen festgewachsen und die Schiene wird entfernt.
  • Sind Zähne durch den Unfall eingedrückt, werden sie über mehrere Wochen hinweg mit einer Kombination aus einer Zahnschiene und einer Feder wieder in die richtige Position gebracht. Bis der Zahn erneut festgewachsen ist, bleibt eine finale Schiene.
  • Abgebrochene Zahnstücke können mit einem Dentinkleber wieder am Zahn befestigt werden. Ist dies jedoch nicht möglich, können Zahnfüllungen oder Zahnkronen das fehlende Stück Zahn ersetzen.

Ist keine dieser Vorgehensweisen möglich, um bleibende Zähne zu retten, muss der behandelnde Zahnarzt unter Umständen den Zahn ziehen oder dessen Bruchstücke entfernen. Zahnimplantate bieten in diesem Fall einen angemessenen Ersatz. Ein Implantat sollten Sie möglichst zeitnah mit Ihrem Zahnarzt besprechen, um so einen aufwendigen Knochenaufbau zu vermeiden. Denn fehlende Zähne führen dazu, dass sich der Kieferknochen an dieser Stelle abbaut und sich das Setzen eines Implantats unter Umständen erschwert.


Zahnunfall bei Milchzähnen und bleibenden Zähnen: Welche Unterschiede gibt es?

Grundlegend ist die zahnärztliche Behandlung nach Unfällen gleich – egal, ob es sich um Milchzähne oder bleibende Zähne handelt. Hat sich Ihr Kind jedoch einen Zahn ausgeschlagen, wird dieser im Regelfall nicht wieder eingesetzt. Der Grund für den Verzicht liegt darin, dass durch das Replantieren möglicherweise die bleibenden, gesunden Zähne geschädigt werden können. Der Fokus der Behandlung liegt dann weniger auf dem Wiedereinsetzen des Milchzahns, sondern vielmehr in der Prüfung, ob es Verletzungen am Kieferknochen oder im Weichgewebe gibt.