Kieferbruch: Wodurch er entsteht und wie er behandelt wird

Der Kieferbruch ist eine der häufigsten Frakturen im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich. Er wird oft durch Unfälle beim Sport oder Stürze verursacht, kann aber meist auch ein Resultat von Erkrankungen sein. Wir geben einen Überblick über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.


Was ist ein Kieferbruch?

Ein Kieferbruch ist eine schmerzhafte Verletzung des Kiefers, bei der die knöcherne Struktur durch eine Fraktur unterbrochen ist. Der Bruch entsteht, wenn die Kieferknochen plötzlich starken mechanischen Krafteinwirkungen ausgesetzt sind. Diese können durch Gewalteinwirkungen wie etwa Faustschläge ins Gesicht oder Unfälle zum Beispiel im Straßenverkehr oder einen Sturz aus größerer Höhe ausgelöst werden.

Ein Kieferbruch kann sowohl als Unterkieferfraktur oder auch als Oberkieferfraktur auftreten. Sind beide Kieferhälften betroffen, sprechen Ärzte von einem doppelten Kieferbruch. Unfälle und Gewalteinwirkungen führen in den meisten Fällen zu einer Verletzung des Oberkiefers. Dagegen sind Verletzungen des Unterkiefers besonders typisch für Sportunfälle und Stürze etwa durch Stolpern.

Neben starken Krafteinwirkungen können auch Erkrankungen einen Kieferbruch begünstigen oder auslösen. So führt etwa eine Kiefernekrose zu einem starken Knochenabbau. Ist die Substanz des Knochens zu stark geschädigt, bricht der Kieferknochen. Auch Zahnlücken, die nicht versorgt werden, führen dazu, dass der Knochen sich langfristig zurückbildet. Ein Knochenbruch kann dann ebenfalls die Folge sein. Kommen Krankheiten wie Osteoporose hinzu, steigt das Risiko für einen Bruch abermals.


Symptome und Diagnose

Erste Symptome einer Fraktur im Kiefer sind starke Schmerzen, die sich beim Sprechen oder Kauen noch verstärken. Betroffene beschreiben den Schmerz häufig als drückend oder stechend. Mit einem gebrochenen Kiefer haben Patienten außerdem oft das Gefühl, dass die Zähne plötzlich nicht mehr richtig aufeinanderpassen. Insgesamt tritt häufig eine eingeschränkte Beweglichkeit des Kiefers auf. Es kommt zu Zahnfehlstellungen, lockeren Zähnen und Missempfindungen im Bereich des Kieferknochens. Das eindeutigste Symptom für eine Fraktur an Unterkiefer oder Oberkiefer sind neue stufige Knochenkanten, die von außen tastbar sind. Daneben können auch weitere Symptome wie Blutungen, Rötungen, Entzündungen und Schwellungen auftreten. Sie gehören aber zu den eher weniger spezifischen Symptomen eines Bruchs.

Bei Schmerzen und Verdacht auf einen Bruch wird Ihr behandelnder Arzt Gesicht und Kiefer zunächst begutachten und Kieferknochen sowie Zähne auf Lockerungen und Schäden hin untersuchen. Anschließend folgt eine Absicherung der Diagnose mittels mehrerer Röntgenaufnahmen. Für kompliziertere Fälle steht in gut ausgestatteten Zahnarztpraxen auch eine 3-D-Diagnostik zur Verfügung. Mit ihr kann der Zahnarzt Ihren Kiefer umfassend dreidimensional darstellen und sich ein exaktes Bild von der Fraktur machen. Dies ermöglicht eine gezielte Behandlung.


Behandlung eines Kieferbruchs

Hat Ihr Zahnarzt bei Ihnen einen Kieferbruch festgestellt, ist es zuallererst wichtig, den Kieferknochen ruhigzustellen. Denn nur so kann die Verletzung vollständig ausheilen. Ist die Kieferfraktur nur minimal, kann es als Behandlung ausreichen, sich zu schonen und für eine Weile statt fester nur weiche Nahrung zu sich zu nehmen.

Befinden sich alle Teile des Kieferknochens trotz Bruch noch in der natürlichen Stellung oder sind nur minimal verschoben, kommt als konservative Therapie oft eine sogenannte Schuchardt-Schiene zum Einsatz. Diese Kunststoffschiene mit Drahtbogen wird nach dem Richten des Kiefers fest im Mund verankert und an den Zähnen fixiert. Da der Patient den Mund mit der Schiene nur minimal öffnen kann, ist ausreichend Ruhe für die Knochen gesichert. Während der sechs Wochen, die die Schiene üblicherweise eingesetzt wird, kann der Patient nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Da das Sprechen sowie die tägliche Mundhygiene mit der Schiene nur sehr eingeschränkt möglich sind, ist das Risiko für Zahnfleischentzündungen und Karies erhöht. Es sollte deshalb ausschließlich auf zuckerfreie Flüssignahrung zurückgegriffen werden.


Wann ist eine Operation notwendig?

Nicht bei allen Kieferbrüchen ist eine konservative Behandlung möglich. Eine operative Versorgung eines Bruchs kommt beispielsweise dann zum Einsatz, wenn durch Schläge, Unfälle oder Vorerkrankungen nicht mehr ausreichend gesunde Zähne im Kiefer vorhanden sind. Denn dann lässt sich die Schiene nicht adäquat befestigen.

Auch komplizierte Brüche mit starken Fehlstellungen der Knochen sowie Frakturen nahe dem Kiefergelenk machen häufig eine Operation nötig. Zudem gibt es auch Patienten, die sich für eine operative Behandlung entscheiden, um einer wochenlangen Therapie mit der Drahtschiene zu entgehen.

Die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Der behandelnde Arzt legt den Kieferknochen entweder von innen durch den Mundraum oder von außen frei, richtet die Bruchstücke der Knochen und fixiert diese je nach Ausprägung mit Schrauben und Metallplatten am gesunden Knochen. Dieser Prozess wird auch als Miniplattenosteosynthese bezeichnet. Die Platten und Schrauben verbleiben anschließend entweder dauerhaft im Kiefer oder werden im Rahmen einer zweiten Operation später wieder entfernt.

Im Anschluss an den operativen Eingriff darf der Kiefer sofort wieder leicht belastet werden. Der Patient kann zudem sprechen und weiche Kost zu sich nehmen. Manchmal ist es notwendig, auch nach einer Operation Oberkiefer und Unterkiefer noch eine Zeit lang verbunden zu lassen. So stellt Ihr Arzt die richtige Bisslage wieder her.

Haben Sie noch Fragen zum Kieferbruch? Ihr Zahnarzt berät Sie gern.