Parodontitis – Prävention und Behandlung der Volkskrankheit bei Ihrem Zahnarzt

Parodontitis ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die leider über die Hälfte der Erwachsenen betrifft. Wie Sie Parodontitis vorbeugen und wie die Behandlung bei Ihrem Zahnarzt abläuft, erfahren Sie in unserem Beitrag.


Was ist Parodontitis?

Parodontitis stellt eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates dar, welche durch eine bakterielle Infektion ausgelöst wird. Die Krankheit verläuft schleichend und im Anfangsstadium ohne Schmerzen. Im weiteren Verlauf kann es jedoch zum Abbau des Kieferknochens, gingivale Blutungen und zum Zahnverlust kommen. Im Volksmund wird die Erkrankung auch als Parodontose bezeichnet.


Parodontitis-Arten

Parodontitis wurde früher in zwei Arten unterschieden: “chronisch” und “aggressiv”. Basierend auf neuen Erkenntnissen werden 3 Formen von Parodontitis unterschieden:

  1. Parodontitis;
  2. Nekrotisierende Parodontitis;
  3. Parodontitis als direkte Manifestation systemischer Erkrankungen.

Volkskrankheit Parodontitis – so viele Menschen sind betroffen

Parodontitis gilt als Volkskrankheit, denn mehr als die Hälfte der Erwachsenen sind von der Erkrankung betroffen, wie auch die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie vom Institut der Deutschen Zahnärzte im Auftrag von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung zeigt. Zwar ist die Zahl der Parodontitis Erkrankungen rückläufig, dennoch waren zwischen Oktober 2013 und Juli 2014 bereits 51,6 Prozent der Erwachsenen im Alter von 35 bis 44 Jahren von der Erkrankung betroffen. Bei jüngeren Senioren (65 bis 74 Jahre) leiden heute 64,6 Prozent unter einer Parodontitis. Weiterhin zeigt die Studie, dass bei älteren Menschen zwischen 75 und 100 Jahren 9 von 10 Senioren eine moderate bis schwere Parodontitis haben.


Symptome – diese Anzeichen deuten auf die chronische Entzündung hin

Parodontitis ist eine Erkrankung mit schleichendem Verlauf, welche gerade im Anfangsstadium selten Schmerzen oder Beschwerden versucht. Folgende erste Anzeichen können auf eine Zahnfleischentzündung und damit auf eine drohende Parodontitis hinweisen:

  • Geschwollenes Zahnfleisch
  • Gerötetes Zahnfleisch
  • Zahnfleischbluten
  • Mundgeruch

Bei beginnender beziehungsweise chronischer Parodontitis kommenden folgende Symptome hinzu:

  • Sichtbare Zahnfleischtaschen
  • Optisch länger werdende Zahnhälse durch das Ablösen des Zahnfleisches vom Zahn
  • Schmerzendes Zahnfleisch
  • Verschiebung der Zähne
  • Wackelnde Zähne

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es für Parodontitis?

Häufig ist eine unzureichende Mundhygiene der Grund für eine Parodontitis Erkrankung. Auch wenn Sie Ihre Zähne zweimal täglich putzen, können sich bakterielle Beläge in den Zahnzwischenräumen ansammeln und dort die Entzündung auslösen.


Wie stellt der Arzt eine Parodontitis fest?

Ihr Zahnarzt ermittelt durch den Parodontale Screening Index (PSI), ob eine Parodontitis droht oder bereits vorliegt. Mit Hilfe einer speziellen Sonde fährt er an jedem einzelnen Zahnfleischrand entlang und diagnostiziert, ob und in welcher Tiefe eine Zahnfleischtasche vorhanden ist. So ermittelt der Zahnarzt den PSI-Code, welcher wie folgt zu verstehen ist:

PSI-Code 0: Der Zahnhalteapparat ist gesund und es sind keine Therapiemaßnahmen notwendig. Es bestehen auch keine Blutungen oder Zahnstein.

PSI-Code 1: Diagnose einer Gingivitis und Therapie durch die Verbesserung der Mundhygiene. Es sind Blutungen des Zahnfleisches vorhanden.

PSI-Code 2: Es liegt eine Zahnfleischentzündung verbunden mit Zahnstein oder überstehender Kronenränder vor. Als Maßnahme wird die Verbesserung der Mundhygiene angestrebt, Zahnstein entfernt und überstehende Ränder geglättet.

PSI-Code 3 und 4: Es liegt der Verdacht auf Parodontitis vor. Zur genauen Diagnose dienen Röntgenaufnahmen. Auf deren Grundlage erstellt der behandelnde Arzt einen Therapieplan und legt diesen bei der Krankenkasse vor.


Wie lässt sich einer Parodontitis vorbeugen?

Obwohl so viele Menschen von Parodontitis betroffen sind, ist die Prävention recht einfach: Eine gründliche und gute Mundhygiene sowie regelmäßige professionelle Zahnreinigungen bei Ihrem Zahnarzt beugen Parodontitis vor. Denn dadurch entfernen Sie bakterielle Beläge, die für die Entzündung des Zahnfleisches beziehungsweise des Zahnhalteapparates verantwortlich sind. Während einer professionellen Zahnreinigung erhalten Sie von Ihrem zahnmedizinischen Prophylaxe-Personal wertvolle Tipps für die tägliche Mundhygiene.

Hinweis: Wir empfehlen Ihnen, zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen. Vereinbaren Sie noch heute einen Termin bei Ihrem Zahnarzt.


Was sind die Folgen, wenn ich eine Parodontitis nicht behandeln lasse – wie gefährlich sie?

Bleibt eine Parodontitis unbehandelt, hat sie einen Abbau des Kieferknochens zur Folge. Im schlimmsten Fall finden die Zähne im Zahnhalteapparat keinen Halt mehr und fallen schließlich aus. Doch nicht nur auf den Mundraum, sondern auf den ganzen Körper hat die Erkrankung schwerwiegende Auswirkungen. Unterschiedliche Untersuchungen zeigen den Zusammenhang von Parodontitis und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.


Parodontitis-Therapie: Was wird gemacht?

Zunächst stellt der behandelnde Zahnarzt oder Parodontologe fest, welche Art der Parodontitis vorliegt. Entsprechend der Diagnose wird die Behandlung vorgenommen.

Geht die Erkrankung von einer Gingivitis aus, müssen die Zahnfleischtaschen in kurzen Abständen immer wieder behandelt werden. Andernfalls kommt es auch trotz Antibiotika-Therapie zu immer neuen Infektionen. Manche Zahnfleischtaschen können mit der richtigen Prophylaxe und konsequenter Mundhygiene sogar wieder geschlossen werden. Ist dies nicht möglich, gilt es, die Zähne darin vor bakteriellem Befall zu bewahren. Die Therapie basiert daher auf gründlicher Reinigung der Zähne von Plaque  und Zahnstein – auch unterhalb des Zahnfleischrands bis hinab zur Zahnwurzel. Dadurch werden einerseits die Bakterien entfernt, andererseits aber auch die Zähne geglättet. So kann sich das Zahnfleisch wieder eng daran anlegen. Um tiefsitzende Beläge zu erreichen, werden besonders große Zahnfleischtaschen aufgeschnitten. Nach der Reinigung wird das Zahnfleisch eng am Zahn anliegend genäht, um die Tasche zu schließen.


Ist eine Parodontitis heilbar?

Ist die Parodontitis erst einmal ausgebrochen, muss sie als chronische Erkrankung ein Leben lang behandelt werden. Tiefe Zahnfleischtaschen schließen sich nur schwer wieder und bieten so Lebensraum für immer neue Bakterien. Hat sich die Entzündung tief in den Kiefer ausgebreitet, sind außerdem Antibiotika notwendig, um den allmählichen Abbau des Zahnhalteapparats zu verhindern. Wird dieser nicht aufgehalten, kann es im Fall einer fortgeschrittenen Parodontitis neben Zahnverlust auch zu gravierenden Schäden am Kieferknochen kommen.

Fazit: die frühzeitige Erkennung einer vorliegenden Parodontitis-Erkrankung hilft, schwerwiegende Folgen zu vermeiden und vereinfacht die Behandlung der Erkrankung.


Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse bei Parodontitis?

Ob die gesetzliche Krankenkasse zumindest einen Teil der Behandlungskosten übernimmt, hängt von der Tiefe der Zahnfleischtaschen ab. Diagnostiziert Ihr Zahnarzt oder Spezialist der Parodontologie  einen PSI von 3-4, gelten sie als behandlungsbedürftig, sodass der Zahnarzt einen Antrag auf Kostenübernahme stellen kann. Vorbeugende Maßnahmen und die Nachsorge übernimmt die Krankenkasse teilweise. Die Zahnsteinentfernung zahlt einmal im Jahr die Krankenkasse. Wurde diese bereits durchgeführt, trägt der Patient die Kosten für jede weitere Zahnsteinentfernung. Die Professionelle Zahnreinigung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst.