Ölziehen – Zahnpflege aus der Ayurveda-Lehre

Für die einen gehört es zur morgendlichen Routine, andere empfinden die Prozedur als überflüssig oder gar unangenehm: die Rede ist vom Ölziehen. Wir erklären Ihnen, wie die Methode funktioniert und was sie bringt.


Was bedeutet Ölziehen?

Ölziehen (Gandusha) ist ein traditionelles Morgenritual aus der ayurvedischen Naturheilkunde. Dabei wird das Öl als eine Art natürliche antibakterielle Mundspülung im Mund hin- und herbewegt, wodurch sich Beläge und Bakterien von Zähnen, Zahnzwischenräumen und aus der Mundhöhle lösen und anschließen ausgespuckt werden. Der russische Arzt Dr. F. Karach brachte das Ölziehen aus der östlichen indischen Volksheilkunde in den 1990er Jahren innerhalb eines Kongresses in den westlichen Raum. Er litt unter einer schweren Arthritis. Dieses Leiden konnte laut seiner Aussage durch die Öl-Therapie geheilt werden. Auch seine Patienten erfreuten sich über die positiven gesundheitlichen Aspekte des morgendlichen Rituals.


Welche Öle eignen sich zum Ölziehen?

Für das Ölziehen verwenden Sie am besten eines der folgenden pflanzlichen, kaltgepressten und unraffinierten Speiseöle in Bio-Qualität:

  • Kokosöl
  • Sesamöl
  • Rapsöl
  • Olivenöl
  • Sonnenblumenöl

Neben den reinen pflanzlichen Ölen eignen sich auch spezielle Mundziehöle. Diese basieren auf einem oder mehreren der genannten Öle und sind mit ätherischen Ölen angereichert. Diese sorgen zum einen für einen angenehmen Geschmack, zum anderen sollen sie einen zusätzlichen positiven Einfluss auf verschiedene Beschwerden im Mundraum haben. So sollen Extrakte der Blutorange oder Nelke eine desinfizierende und beruhigende Wirkung haben und positiven Einfluss auf Zahnfleischentzündungen nehmen.


Ölziehen – so funktioniert die Methode der indischen Heilkunst

Grundsätzlich sollte das Ölziehen vor dem Essen und auf nüchternen Magen erfolgen. Dafür wird ein Esslöffel Öl in den Mund genommen und für 20 Minuten umhergespült. Danach wird das Öl wieder ausgespuckt und der Mund mit klarem Wasser ausgespült. Sind Sie Träger einer Zahnprothese, müssen Sie diese vor dem Vorgang entfernen.

1. Zungenreinigung

Zunächst ist es erforderlich, dass Sie Ihre Zunge mit einem Zungenschaber von Belägen befreien. In der traditionellen Ayurveda-Lehre werden dafür Zungenreiniger aus Kupfer eingesetzt, da das Material bereits antibakteriell ist. Alternativ können Sie auch einen Löffel verwenden.

2. Ölziehen

Nun beginnt der Prozess des Ölziehens. Dafür nehmen Sie einen Esslöffel Öl in den Mund und bewegen es sanft hin und her. Ziehen Sie das Öl dabei durch die Zähne, kauen darauf herum oder pausieren Sie kurz und lassen so das Öl auf Zähne, Zahnfleisch und in den Zahnzwischenräumen einwirken. Gurgeln sollten Sie mit dem Öl allerdings nicht. Dabei besteht die Gefahr, dass Sie das Öl inklusive der enthaltenen gelösten Bakterien verschlucken. Dies wiederum wirkt entgegen dem gesundheitlichen Nutzen. Sie werden bemerken, dass sich das Öl mit Ihrem Speichel vermischt und immer dünnflüssiger wird. Hat sich das Öl-Speichel-Gemisch zu einer milchigen Flüssigkeit entwickelt, ist der Prozess abgeschlossen und Sie können das Öl ausspucken.

Empfohlen wird das Verfahren für 10-20 Minuten anzuwenden. Anfänger können mit 5 Minuten beginnen und sich von Tag zu Tag steigern. Außerdem ist es ratsam, vorerst mit einem Teelöffel Öl zu starten, um ein Gefühl für das Ölziehen zu entwickeln.

Im Anschluss spülen Sie Ihren Mund gründlich mit warmem Wasser aus und putzen wie gewohnt Ihre Zähne.


Ölziehen – positive Auswirkungen auf die Mundgesundheit

Das Ziehen von Öl am Morgen soll schädliche Bakterien im Mund auf natürliche Weise binden. Dadurch sollen die Zahn- und Mundgesundheit positiv beeinflusst werden. Nach der ayurvedischen Lehre wirkt eine Öl-Therapie sowohl präventiv als auch heilend auf die folgenden Probleme in der Mundhöhle:


Welche Wirkung hat das Ölziehen auf den Körper?

Neben gesunden Zähnen und gesundem Zahnfleisch hat das Ölziehen nach der ayurvedischen Lehre eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den ganzen Körper. Durch die morgendliche Entgiftung der Mundhöhle gelangen Bakterien und Schadstoffe nicht in den Körper. Das Immunsystem soll somit entlastet werden. Erfahrungsberichten nach wirkt sich die morgendliche Routine positiv auf folgende Erkrankungen aus:

  • Migräne und Kopfschmerzen
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Hauterkrankungen wie Ekzeme, Akne, Schuppenflechte, Neurodermitits
  • grippale Infekte
  • Erkrankungen der Niere und Leber
  • chronische Erkrankungen

Die Aussagen darüber beruhen jedoch auf der ayurvedischen Lehre, die über Jahrtausende überliefert und praktiziert wird. Wissenschaftlich konnte die positive Wirkung auf den Körper nicht bestätigt werden. Es gibt hierzu keine Studien.


Wissenschaftliche Untersuchungen

In verschiedenen Studien wurden die nachgesagten positiven Eigenschaften des Ölziehens auf den Mundraum untersucht. In Betracht genommen wurden dabei die Auswirkungen auf den Plaque-Index oder die Anzahl der im Mund vorkommenden Mutans-Streptokokken, welche vorwiegend für die Entstehung von Karies verantwortlich sind.

Aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen und der kurzen Zeiträume, in denen die Studien durchgeführt wurden, sind diese leider nicht repräsentativ. Somit fehlen wichtige wissenschaftliche Belege, welche plausibel die antibakterielle Wirkung und den Nutzen für die Zahn- und Mundgesundheit bestätigen.


Richtige Mundhygiene – Ölziehen ersetzt nicht das Zähneputzen

Einige Anwender sind vom morgendlichen Ölziehen so überzeugt, dass sie auf weitere Maßnahmen zur Zahnpflege verzichten. Das kann schwerwiegende Folgen haben. Wir empfehlen die tägliche Mundhygiene durch Zähneputzen und den Gebrauch von Zahnseide oder Interdentalbürsten. Außerdem raten wir Ihnen zu einer professionellen Zahnreinigung bei Ihrem Zahnarzt im Rahmen der regelmäßigen Prophylaxe. So sorgen Sie für die optimale Mundhygiene. Gleichzeitig können Erkrankungen wie Karies und Parodontitis früh erkannt und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden.