In der Schwangerschaft zum Zahnarzt

Die Einrichtung des Babyzimmers, die Auswahl des richtigen Kinderwagens oder der Geburtsvorbereitungskurs: Während der Schwangerschaft gibt es viele Dinge vorzubereiten. Aber auch die eigene Zahngesundheit sollten werdende Mütter im Blick behalten. Zu welchem Zeitpunkt Sie Kontrolltermine bei Ihrem Zahnarzt am besten wahrnehmen und welche Behandlungen während der Schwangerschaft problemlos durchgeführt werden können, erfahren Sie hier.


Warum ist die Schwangerschaft für die Zahngesundheit relevant?

Mit einer Schwangerschaft verändert sich der Körper der Frau. Dabei können sich schwangerschaftsbedingte Veränderungen nicht nur negativ auf die Zahn- und Mundgesundheit auswirken. Auch kranke Zähne können negative Folgen für den Schwangerschaftsverlauf haben.

Sollten Sie einen Kinderwunsch haben – und damit nicht überraschend schwanger werden – empfiehlt sich bereits vor Eintritt der Schwangerschaft ein Kontrolltermin bei Ihrem Zahnarzt. So bringen Sie den aktuellen Stand Ihrer Mundgesundheit in Erfahrung. Sollten größere Zahnbehandlungen wie Wurzelbehandlungen notwendig sein, können diese noch vor der Schwangerschaft durchgeführt werden. Wenn Sie Ihrem Zahnarzt Ihren Kinderwunsch frühzeitig mitteilen, kann er Behandlungen genau planen und noch vor Beginn der Schwangerschaft abschließen. Spätestens jedoch wenn Sie während Ihrer Schwangerschaft Ihren Zahnarzt aufsuchen, sollten Sie ihn darüber informieren. 


Der beste Zeitpunkt für einen Zahnarztbesuch während der Schwangerschaft

Im besten Fall nehmen Sie vor der Entbindung Ihres Babys mindestens zwei Vorsorgeuntersuchungen bei Ihrem Zahnarzt wahr. Auch eine professionelle Zahnreinigung zur Vorbeugung von Karies und Parodontitis ist sinnvoll.

Normale Kontrolluntersuchungen sind jederzeit möglich und stellen weder für die Schwangere noch für das Baby ein Problem dar. Für anstehende Behandlungen ist jedoch das zweite Schwangerschaftsdrittel am besten geeignet. Besonders im ersten Trimester sollten schwerwiegende Eingriffe vermieden werden, um das Kind nicht zu gefährden. Stellt der Zahnarzt direkt zu Beginn der Schwangerschaft einen Behandlungsbedarf fest, ist die Zeit zwischen der 13. und der 21. Schwangerschaftswoche am besten geeignet. Denn im zweiten Trimester ist die Organbildung des Kindes bereits abgeschlossen und das Risiko einer Frühgeburt bereits geringer. Jedoch sollten trotzdem nur dringend erforderliche Zahnbehandlungen durchgeführt werden. Für das letzte Drittel ist es dagegen besonders wichtig, Stress zu vermeiden und somit das Risiko für eine Frühgeburt gering zu halten. Deshalb sollten schwangere Frauen im dritten Trimester keine größeren Zahnbehandlungen durchführen lassen, sondern bis nach der Geburt des Kindes damit warten.


Zahnerkrankungen während der Schwangerschaft

Schwangere sind besonders anfällig für Erkrankungen wie Karies, Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Parodontitis. Besonders in der Frühschwangerschaft kann es auch zu Zahnfleischschmerzen, Zahnfleischbluten oder Zahnschmerzen kommen. Das ist meist jedoch ganz normal. Sind die Ursachen dafür oberflächlich, kann Ihr Zahnarzt sie auch schon in den ersten Schwangerschaftswochen behandeln. Da Schwangere Zahnerkrankungen auch auf ihre Kinder übertragen können, ist es besonders wichtig, während der Schwangerschaft nicht nur regelmäßige Kontrolltermine wahrzunehmen, sondern auch daheim auf eine gute Mundhygiene zu achten.

Zahnfleischprobleme in der Schwangerschaft

Werdende Mütter sind besonders für Zahnfleischprobleme anfällig, da das Zahnfleisch durch die Hormonumstellung stärker durchblutet wird als sonst. Insgesamt ist es dadurch weicher und gelegentlich auch geschwollen. Bakterien können sich so leichter auf dem Zahnfleisch verteilen und es besteht ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischentzündungen. Zur richtigen Zahnpflege empfiehlt sich deshalb eine weiche Zahnbürste. Durch die weichen Borsten wird das Zahnfleisch beim Zähneputzen geschont und nicht noch weiter gereizt. Auch auf die Pflege der Zahnzwischenräume sollten Sie achten, denn hier sammeln sich schnell Essensreste an. Mit einer Interdentalbürste oder Zahnseide können Sie die Zwischenräume gut reinigen.

Karies bei werdenden Müttern

Auch Karies kann während der Schwangerschaft häufiger aus normal auftreten. Das erhöhte Kariesrisiko steht unter anderem mit veränderten Essgewohnheiten im Zusammenhang. Denn obwohl bestimmte Bakterien in der Mundhöhle normal sind, kann eine plötzliche Umstellung der Nahrungsgewohnheiten zu einem Ungleichgewicht der Bakterien führen. Dadurch kann sich auch die Mundgesundheit negativ entwickeln und Karies entstehen. Besonders zuckerhaltige Nahrungsmittel und eine schlechte häusliche Mundhygiene begünstigen diese Erkrankung zusätzlich. Achten Sie also auf eine zahngesunde Ernährung.

Schwangerschaftsübelkeit greift den Zahnschmelz an

Auch die Schwangerschaftsübelkeit kann für die Zähne problematisch werden. Führt die Übelkeit zu häufigem Erbrechen, greift die Magensäure besonders den Zahnschmelz an. Ist dieser durch die Säure zu sehr geschädigt, sind die Zähne in der Folge anfälliger für andere Erkrankungen wie Karies. Deshalb sollten Sie Ihren Mund immer gründlich mit Wasser oder einer Mundspülung ausspülen, wenn Sie sich übergeben haben. Anschließend sollten Sie mindestens 30 Minuten mit dem Zähneputzen warten, damit Sie den Zahnschmelz mit den Borsten der Zahnbürste nicht noch weiter angreifen.


Welche Behandlungen nimmt der Zahnarzt bei Schwangeren vor?

Zwar sollten zahnärztliche Eingriffe im ersten und letzten Schwangerschaftstrimester vermieden werden, dringend notwendige Therapien führt Ihr Zahnarzt jedoch trotzdem durch. Um Komplikationen während der zahnärztlichen Behandlung zu vermeiden, sollten Schwangere auf die richtige Lage auf dem Zahnarztstuhl achten. In der Rückenlage kann die Gebärmutter auf die darunterliegende Hohlvene Druck ausüben und es kann zum sogenannten Vena-cava-Syndrom kommen. Dieses führt im schlimmsten Fall zu Schwindel oder gar zu einem Kreislaufkollaps der werdenden Mutter. Diese Komplikation lässt sich jedoch durch eine leicht nach links gedrehte Lage vermeiden.

Professionelle Zahnreinigung

Die professionelle Zahnreinigung ist für Schwangere besonders sinnvoll. Durch die hormonelle Umstellung des Körpers sind Schwangere besonders anfällig für Erkrankungen. Bei der Zahnreinigung entfernt das Zahnarztteam Plaque und Zahnstein von den Zähnen und aus den Zahnzwischenräumen. Durch diese Maßnahme kann Ihre Mundhygiene verbessert und Krankheiten wie Karies und Parodontitis vorgebeugt werden.

Schmerzbehandlungen

Örtliche Betäubungen sind auch während der Schwangerschaft möglich. Der Zahnarzt greift hierbei auf geeignete Medikamente zurück, die dem ungeborenen Kind keinen Schaden zufügen. Leiden Sie unter Zahnschmerzen können Sie auch Medikamente wie Paracetamol verwenden. Ist die Gabe von Antibiotika notwendig, gibt es auch hier geeignete Medikamente wie Penicilline und Cephalosporine.

Füllungen

Eine Verordnung des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2018 legt fest, dass Schwangere keine Zahnfüllungen aus Amalgam erhalten. Das darin enthaltene Quecksilber kann für Mütter und ihre Kinder schädlich sein. Gesetzlich versicherte Frauen haben deshalb Anspruch auf alternative plastische Füllungen, beispielsweise aus Komposit.

Zahn ziehen

Gibt es dringende medizinische Gründe, kann Ihr Zahnarzt Ihnen auch während der Schwangerschaft einen Zahn ziehen. Es sollte jedoch im Einzelfall genau abgewogen werden, ob diese Extraktion wirklich notwendig ist. Besteht keine andere Möglichkeit, ist das Ziehen des Zahnes im zweiten Schwangerschaftsdrittel sinnvoll.

Röntgen

Ähnlich wie beim Zahn ziehen sollten Untersuchungen mit Röntgen nur durchgeführt werden, wenn die Aufnahmen für eine notwendige Therapie unerlässlich sind. Ist das nicht der Fall, sollten Sie die Zahnbehandlungen auf einen Zeitpunkt nach der Geburt Ihres Kindes verschieben. Die Röntgenstrahlung kann dem ungeborenen Kind sonst unter Umständen schwere Schäden zufügen.

Behandlung von Schwangerschaftsgingivitis

Während die Behandlung von Karies in der Schwangerschaft zwar unproblematisch ist, aber auch bis nach der Geburt warten kann, sollte eine Zahnfleischentzündung bei Schwangeren (Schwangerschaftsgingivitis) immer behandelt werden. Diese kann sonst zu einer Frühgeburt und einem geringen Geburtsgewicht des Babys führen.

Haben Sie noch Fragen zu Zahnarztbesuchen und zahnmedizinischen Behandlungen während der Schwangerschaft? Ihr Zahnarzt berät Sie gern.